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S5 auf S7 migrieren: Der komplette Leitfaden (2026)

Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Migration von Siemens S5 SPS-Programmen auf S7-1500. AWL→SCL-Konvertierung, Timer-Umrechnung, Adressumsetzung und Hardware-Auswahl.

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S5 auf S7 migrieren: Der komplette Leitfaden (2026)

Die Migration einer Siemens S5 auf S7-1500 umfasst die Konvertierung von AWL-Code nach SCL, die Umsetzung von S5-Adressen auf S7-Byte-Adressierung, den Ersatz von BCD-Timern durch IEC-Timer und die Auswahl kompatibler S7-1500-Hardware. Dieser Leitfaden führt Sie durch jeden Schritt mit konkreten Codebeispielen.

Siemens hat den kompletten S5-Support am 30. September 2020 eingestellt. Keine Ersatzteile, keine Reparaturen, kein technischer Support. Jedes S5-System, das heute noch läuft, arbeitet auf Verschleiß. Die S7-300 wurde selbst am 1. Oktober 2023 abgekündigt und ist seit dem 1. Oktober 2025 nur noch als Ersatzteil verfügbar (garantiert bis 2033). Das einzig zukunftssichere Migrationsziel ist die S7-1500 mit TIA Portal.

Warum Sie jetzt migrieren müssen

Die SIMATIC S5 wurde 1979 eingeführt und hat die Industrie über 40 Jahre lang bedient. Seit dem 1. Oktober 2020 gibt es null Support für die gesamte S5-Produktfamilie:

Keine Ersatzteile von Siemens. Ein defektes CPU-Modul kann über offizielle Kanäle nicht mehr ersetzt werden. Aufgearbeitete Teile von Drittanbietern kosten das 3- bis 10-fache des Originalpreises.

Keine Software-Unterstützung. STEP 5 läuft unter DOS oder Windows XP. Aktuelle Betriebssysteme unterstützen es nicht nativ.

Kein qualifiziertes Personal. Ingenieure, die S5-Programmierung in den 1980er und 1990er Jahren gelernt haben, gehen in Rente.

Die S7-300 ist als Nächstes dran. Die S7-300 wurde am 1. Oktober 2025 abgekündigt (Meilenstein PM410). Ersatzteilverfügbarkeit nur bis Oktober 2033 garantiert.

Der 6-Schritte-Migrationsprozess

Schritt 1: Bestehendes S5-Programm dokumentieren

Bevor Sie eine Zeile Code anfassen, erstellen Sie eine vollständige Bestandsaufnahme:

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Schritt 2: S7-1500-Hardware auswählen

Typische S5 → S7-1500 CPU-Zuordnung:

S5-CPUSpeicherEmpfohlene S7-1500S7-1500 Speicher
S5-90U / S5-95U2–8 KBCPU 1511-1 PN150 KB
S5-100U (CPU 103)6–16 KBCPU 1511-1 PN150 KB
S5-115U (CPU 941–944)16–64 KBCPU 1513-1 PN300 KB
S5-135U (CPU 922/928)64–256 KBCPU 1515-2 PN750 KB
S5-155U (CPU 946/947/948)256–512 KBCPU 1517-3 PN/DP2 MB

Schritt 3: SPS-Programm konvertieren

Option A: Siemens S5→S7-Konverter (~60–80 % automatisch)

Was der Konverter NICHT schafft: Timer (KT→IEC), Datenbausteine (DW→DBW×2), indirekte Adressierung (DO, LIR, TIR), Sonderbausteine (OB21/22, System-FBs).

Option B: Neuprogrammierung in SCL (bestes Langzeitergebnis)

Option C: Hybridansatz (empfohlen) — Konverter für Grundlogik, dann Timer/DB/Sonderfunktionen manuell konvertieren.

Schritt 4: Timer und Zähler konvertieren

S5-Timer-Format: KT [Wert].[Zeitbasis] — Zeitbasis 0 = 10 ms, 1 = 100 ms, 2 = 1 s, 3 = 10 s

S5-Timer-Typen → S7-IEC-Äquivalente:

S5-TimerBezeichnungS7-IEC
SIImpulsTP
SEVerlängerter ImpulsTP
SDEinschaltverzögerungTON
SSSpeichernde EinschaltverzögerungTON
SAAusschaltverzögerungTOF

Konvertierungsbeispiel:

S5 AWL:

      U     E 0.0
      L     KT 030.2
      SD    T 1
      U     T 1
      =     A 4.0

S7 SCL:

"Timer_Foerderband"(
    IN  := "Starttaster",
    PT  := T#30s,
    Q   => "Motor_Ein",
    ET  => "Verstrichene_Zeit"
);

Nutzen Sie unseren S5-Timer-Rechner um jeden KT-Wert sofort umzurechnen.

Schritt 5: Adressen konvertieren

Datenbaustein-Konvertierung (KRITISCH): S5 DW × 2 = S7 DBW

S5S7Berechnung
DB10 DW 0DB10.DBW 00 × 2 = 0
DB10 DW 1DB10.DBW 21 × 2 = 2
DB10 DW 5DB10.DBW 105 × 2 = 10
DB10 DW 100DB10.DBW 200100 × 2 = 200

Nutzen Sie unseren S5→S7-Adress-Konverter.

Schritt 6: Testen, in Betrieb nehmen, produktiv schalten

Häufige Fallstricke

  1. DW × 2 vergessen — stille Datenfehler
  2. S5-Timer verhalten sich in S7 anders — immer IEC-Timer verwenden
  3. OB21/OB22 Anlauf-Bausteine ignoriert — S7 nutzt OB100/OB102
  4. Indirekte Adressierung nicht getestet — DO, LIR, TIR haben keine direkten S7-Entsprechungen
  5. S5-Backup verloren — vor Migrationsbeginn mehrere Sicherungskopien erstellen

Was PLCcheck Pro für Sie tun kann

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