Der Siemens S5/S7-Konverter: Was er kann und was nicht
Ehrliche Bewertung des Siemens STEP 7 S5→S7-Konvertierungswerkzeugs. Was es automatisch konvertiert, was es nicht schafft, typische Fehler und wie Sie die verbleibenden 20–40% manueller Arbeit bewältigen.
Der Siemens S5/S7-Konverter: Was er kann und was nicht
Das STEP 7 S5→S7-Konvertierungswerkzeug konvertiert ca. 60–80 % der S5-Programme automatisch. Es übersetzt S5-AWL-Quelldateien in S7-AWL-Quelldateien. Die verbleibenden 20–40 % — Timer, Datenbaustein-Adressierung, indirekte Zugriffe, Sonderbausteine und Anlauf-OBs — müssen manuell konvertiert werden. Dieser Artikel erklärt genau was funktioniert, was scheitert, und wie Sie mit den Fehlern umgehen.
Wo Sie den Konverter finden
Der S5→S7-Konverter ist in STEP 7 V5.x (Classic) enthalten. Er ist NICHT im TIA Portal verfügbar. Zugang über:
Start → Alle Programme → SIMATIC → STEP 7 → S5-Dateien konvertieren
Das Werkzeug benötigt S5-Programmdateien im Siemens-Format (.S5D) oder AWL-Quelltextdateien. Die Ausgabe sind S7-AWL-Quelldateien (.awl), die in ein STEP 7-Projekt importiert und kompiliert werden können.
Wichtig: Der Konverter gibt S7-AWL aus, kein SCL. Wenn Ihr Ziel SCL ist (empfohlen für S7-1500), müssen Sie die konvertierte AWL in einem zweiten Schritt manuell in SCL umschreiben. Siehe unseren AWL→SCL-Konvertierungsleitfaden.
Was der Konverter schafft (60–80 %)
Der Konverter übersetzt diese S5-Anweisungen erfolgreich:
Bitverknüpfungen: U, UN, O, ON, S, R, = (UND, UND NICHT, ODER, ODER NICHT, Setzen, Rücksetzen, Zuweisung)
Laden und Transferieren: L, T für die meisten Operandentypen
Grundrechenarten: +F, -F (Integer), +G, -G (Doppelwort-Integer)
Vergleiche: !=F, ><F, >F, <F
Sprünge: SPA, SPB, SPBN, SPZ, SPN, SPP, SPM
Bausteinaufrufe: SPA FB, SPA PB → CALL FB, CALL FC (einfache Aufrufe)
Bausteinende: BE, BEA, BEB
Was der Konverter NICHT schafft
1. Timer (KT-Format → IEC-Timer)
Der Konverter übersetzt S5-Timer-Anweisungen (SI, SE, SD, SS, SA) in S7-Legacy-Timer-Funktionen (S_PULSE, S_PEXT, S_ODT, S_ODTS, S_OFFDT). Das funktioniert technisch, aber die Legacy-Timer sind veraltet. Für die S7-1500 sollten Sie auf IEC-Timer (TON, TOF, TP) umstellen.
Siehe unseren S5-Timer-Konvertierungsleitfaden und S5-Timer-Rechner.
2. Datenbaustein-Adressierung (DW → DBW)
Der Konverter führt die DW→DBW-Adresskonvertierung (×2) für direkt programmierte DB-Zugriffe durch. Er scheitert jedoch häufig wenn:
- Timer-/Zähler-Vorgabewerte aus Datenbausteinen geladen werden
- DB-Werte als indirekte Zeiger verwendet werden
- Erweiterte Datenbausteine (DX) verwendet werden
Prüfen Sie jeden DB-Zugriff im konvertierten Code manuell. Nutzen Sie unseren Adress-Konverter.
3. Indirekte Adressierung (DO, LIR, TIR, B-Register)
Diese Anweisungen können nicht konvertiert werden. Der Konverter erzeugt einen Fehler für jedes Vorkommen:
| S5-Anweisung | Zweck | Konverter-Ergebnis |
|---|---|---|
| DO FW / DO DW | Indirekter Speicherzugriff über Merkerwort | Fehler — nicht konvertiert |
| LIR 0 / LIR 2 | Indirektes Laden über Akkuinhalt | Fehler — nicht konvertiert |
| TIR 0 / TIR 2 | Indirektes Transferieren über Akkuinhalt | Fehler — nicht konvertiert |
| B MW / B DW | Basisregister für indirekte Adressierung | Fehler — nicht konvertiert |
S7-Lösung: Pointer-Adressierung mit Adressregistern AR1/AR2, oder speicherindirekte Adressierung mit [MD x] / [MW x]. Auf S7-1500: PEEK- und POKE-Funktionen.
4. Anlauf-Organisationsbausteine (OB21, OB22)
S5 nutzt OB21 (Wiederanlauf) und OB22 (Kaltstart) für Initialisierungslogik. Der Konverter bildet diese nicht auf S7-Äquivalente ab. Sie müssen manuell erstellen:
- OB100 (Wiederanlauf) — Äquivalent zu S5 OB21
- OB102 (Kaltstart) — Äquivalent zu S5 OB22
5. System-Funktionsbausteine
S5-System-FBs sind in S7 nicht verfügbar:
| S5-Baustein | Funktion | S7-Ersatz |
|---|---|---|
| FB 250 | Analogwert lesen | Skalierung + PEW |
| FB 251 | Analogwert schreiben | Skalierung + PAW |
| FB 241 | PID-Regler | S7 PID_Compact oder PID_3Step |
| FB 12 | FIFO-Puffer | Eigener FB oder SCL-Code |
6. Bit-Test-Operationen auf Sonderbereiche
Diese S5-Anweisungen greifen auf Timer-, Zähler- und Systemspeicher auf Bitebene zu:
- TB T x.y / TBN T x.y (Bit-Test im Timerwort)
- TB C x.y / TBN C x.y (Bit-Test im Zählerwort)
- SU T x.y / RU T x.y (Unbedingtes Setzen/Rücksetzen in Timer/Zähler)
- L RS x (System-Datenwort laden)
7. Kommunikationsbausteine
S5-Kommunikations-Handlingbausteine (für SINEC H1, SINEC L2, usw.) werden nicht konvertiert. S7 nutzt völlig andere Kommunikationsmechanismen (S7-Verbindungen, PROFINET, PUT/GET, BSEND/BRCV).
Typische Konverter-Ausgabe
Warnungen sind meist akzeptabel — der Konverter hat eine Annahme getroffen, die geprüft werden sollte.
Fehler müssen manuell behoben werden — der Konverter konnte die Anweisung nicht übersetzen.
Praxiserfahrung: Anwender berichten typischerweise 6–8 Fehler und 20–50 Warnungen bei mittleren S5-Programmen (50–100 Bausteine). Große Programme (200+ Bausteine) erzeugen häufig 50+ Fehler, oft wegen umfangreicher indirekter Adressierung.
Schritt-für-Schritt: So nutzen Sie den Konverter
- S5-Programm vorbereiten: OB21, OB22 und Kommunikations-FBs vor der Konvertierung aus der Bausteinliste entfernen.
- Konverter ausführen: Auf die S5-Programmdatei (.S5D) verweisen. Der Konverter erzeugt .AWL-Quelldateien.
- Protokoll prüfen: Jeden Fehler und jede Warnung durchgehen.
- In STEP 7 importieren: Neues S7-Projekt erstellen. .AWL-Dateien in den Quellen-Ordner importieren. Kompilieren.
- Kompilierungsfehler beheben: Fehlende Symbole, inkompatible Operanden etc.
- Restliche Bausteine manuell konvertieren.
- Gründlich testen: Jeder konvertierte Baustein muss getestet werden.
Wann Sie den Konverter besser überspringen
Bei kleinen Programmen (unter 30 Bausteine) empfehlen viele erfahrene Ingenieure, den Konverter zu überspringen und direkt in S7-SCL neu zu schreiben:
- Die Konverter-Ausgabe ist S7-AWL, das bei der S7-1500 veraltet ist
- Sie müssen trotzdem 20–40 % des Codes manuell nacharbeiten
- Neuprogrammierung in SCL ergibt saubereren, wartbareren Code
- Die durch den Konverter gesparte Zeit wird oft durch Debugging aufgezehrt
Der Konverter ist am wertvollsten bei großen Programmen (100+ Bausteine), bei denen eine komplette Neuprogrammierung Wochen dauern würde.
Was PLCcheck Pro anders macht
Im Gegensatz zum Siemens-Konverter:
- Gibt SCL direkt aus (nicht AWL) — bereit für S7-1500
- Konvertiert alle Timer in IEC-Format (TON/TOF/TP mit T#-Werten)
- Führt die DW×2-Adresskonvertierung für alle DB-Zugriffe durch
- Erzeugt symbolische Namen für alle Variablen
- Erstellt Dokumentation neben dem konvertierten Code
- Funktioniert im Browser — keine STEP 7 V5.x-Installation nötig
Häufig gestellte Fragen
Ist der S5→S7-Konverter im TIA Portal verfügbar?
Nein. Der Konverter ist nur in STEP 7 V5.x (Classic) enthalten. TIA Portal hat ihn nicht.
Gibt der Konverter SCL aus?
Nein. Er gibt S7-AWL-Quelldateien (.awl) aus. Für SCL müssen Sie den konvertierten Code manuell umschreiben.
Wie viele Fehler muss ich erwarten?
Einfache Programme mit Grundlogik: 2–5 Fehler. Mittlere Programme mit Timern und Datenbausteinen: 6–20 Fehler. Komplexe Programme mit indirekter Adressierung: 50+ Fehler.
Gibt es eine Alternative zum Siemens-Konverter?
Drittanbieter-Tools existieren (IBHsoftec S5W, Process-Informatik PG-2000). PLCcheck Pro bietet KI-gestützte Konvertierung direkt nach SCL mit Dokumentation.
Gepflegt von PLCcheck.ai. Letztes Update: März 2026. Keine Verbindung zu Siemens AG.
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