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Siemens S5 End-of-Life: Komplette Timeline und Konsequenzen

Komplette Timeline der Siemens SIMATIC S5 von der Einführung 1979 bis zum End-of-Life am 30.09.2020. Was das EOL für Ersatzteile, Reparaturen, Software und Ihre Migrationsplanung bedeutet.

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Siemens S5 End-of-Life: Komplette Timeline und Konsequenzen

Der Produktlebenszyklus der Siemens SIMATIC S5 endete am 30. September 2020. Seit dem 1. Oktober 2020 liefert Siemens keine Ersatzteile mehr, führt keine Reparaturen mehr durch und leistet keinen technischen Support mehr für S5-Produkte. Dieser Artikel dokumentiert die komplette Timeline von der Einführung bis zum End-of-Life, erklärt die Konsequenzen für Betreiber und zeigt die realistischen Optionen.

Die komplette S5-Timeline

JahrEreignis
1979SIMATIC S5 eingeführt als Nachfolger der SIMATIC S3. Erste Modelle: S5-110, S5-130, S5-150
1984S5 U-Serie (Universal) eingeführt: S5-90U, S5-95U, S5-100U, S5-115U, S5-135U, S5-155U. Der große kommerzielle Erfolg beginnt
~1988STEP 5 Programmiersoftware wechselt von CP/M auf MS-DOS
1994SIMATIC S7 eingeführt (S7-200, S7-300, S7-400). Siemens empfiehlt S7 für Neuanlagen
~1996STEP 5 auf Windows verfügbar. Letzte Version: STEP 5 V7.2
2003–2006S5-Produktion eingestellt. Verschiedene Modelle zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgekündigt. Siemens garantiert 10+ Jahre Ersatzteile
2009S7-1200 eingeführt (ersetzt S7-200-Klasse)
2012S7-1500 eingeführt (vorgesehener Nachfolger für S7-300/400)
30.09.2020S5 End-of-Life: Siemens stellt alle Ersatzteillieferungen und Reparaturen ein
01.10.2020Keine neuen S5-Teile von Siemens. Keine Reparaturannahme. Nur noch Drittanbieter

Wichtig: Einige wenige S5-Artikel blieben nach dem 01.10.2020 verfügbar (Bestellnummern 6ES5980-0DA11, 6ES5980-0AE11, 6ES5980-0MA11, 6ES5980-0NC11 und 6EW1000-7AA). Das sind Batterien und Zubehör, keine CPUs oder E/A-Module.

Was "End-of-Life" konkret bedeutet

Was Siemens nicht mehr liefert:

Was weiterhin funktioniert:

Das Ersatzteilproblem

Die S5-Ersatzteilsituation verschlechtert sich vorhersagbar:

2020–2023 (Post-EOL Phase 1): Drittanbieter hatten große Lagerbestände. Preise lagen 20–50 % über den Siemens-Originalpreisen. Die meisten Teile innerhalb von Tagen lieferbar.

2024–2026 (Post-EOL Phase 2 — Aktuell): Lagerbestände schrumpfen. Standardteile (E/A-Module, Netzteile) sind noch verfügbar. Spezialteile (bestimmte CPUs, Kommunikationsprozessoren, F-Module) werden knapp. Preise für einige Artikel: 2–5× Originalpreis.

2027+ (Post-EOL Phase 3 — Prognose): Nur noch aufbereitete und aus Altanlagen ausgebaute Teile. Keine Qualitätsgarantie. Lieferzeiten von Wochen bis Monaten. Preise unvorhersehbar. Manche Teile werden komplett unauffindbar.

Die kritischsten Teile

TeilekategorieRisikoWarum
CPUs (z.B. CPU 948, CPU 928B)Sehr hochKomplexe ICs, kein Generika-Ersatz, jeder CPU-Typ einzigartig
Kommunikationsprozessoren (CP 524, CP 543)Sehr hochProtokollspezifisch, kein modernes Äquivalent
F-Module (Fail-Safe)Sehr hochFür Sicherheit zertifiziert, kein Ersatz durch Generika
Analoge E/A-ModuleHochSpezifische Auflösungs- und Bereichskombinationen
NetzteileMittelGenerische Alternativen manchmal mit Adapter möglich
Digitale E/A-ModuleMittelAm häufigsten, größter Drittanbieter-Bestand
BaugruppenträgerNiedrigMechanische Teile, fallen selten aus

Das STEP-5-Software-Problem

STEP 5 V7.2 war die letzte Version. Offiziell unterstützt auf Windows XP (SP3) und Windows 7 (32-Bit). Das erzeugt eine Kette von Problemen:

Betriebssystem: Windows XP erreichte End-of-Life im April 2014. Windows 7 im Januar 2020. Beide auf netzwerkverbundenen PCs zu betreiben ist ein Cybersicherheitsrisiko.

Hardware: Moderne PCs werden nicht mehr mit 32-Bit-Betriebssystemen ausgeliefert. Einen PC zu finden oder zu warten, der STEP 5 zuverlässig ausführt, erfordert Legacy-Hardware oder Virtualisierung (die Siemens offiziell nicht unterstützt).

Programmierschnittstellen: Die Siemens-PG-Interfaces wie der AG-Link-Adapter für die serielle S5-Schnittstelle werden nicht mehr hergestellt. USB-zu-Seriell-Konverter erfordern spezielle Treiber.

Praktischer Workaround: Viele Betriebe halten einen dedizierten Offline-Laptop mit Windows XP/7 speziell für STEP 5 vor. Akzeptabel, solange er nie mit dem Anlagennetzwerk verbunden wird. Aber ein Single-Point-of-Failure ohne Backup-Strategie.

Das größere Bild: Siemens SPS-Lebenszyklus

Das S5-End-of-Life ist kein Einzelereignis. Es ist die erste Welle einer Serie von Siemens-SPS-Abkündigungen:

SystemProduktionsendeErsatzteile bisAktueller Status
SIMATIC S52003–200630.09.2020Vollständig EOL. Kein Siemens-Support.
SIMATIC S7-300 (PM410)01.10.2025~Okt. 2033 (gesch.)Produktion endet jetzt
SIMATIC S7-400"Über 2030 hinaus"TBDNoch verfügbar, Zukunft begrenzt
SIMATIC S7-1200 (1. Gen)01.11.2026TBDAktuelle Gen noch in Produktion
SIMATIC S7-1500AktivAktivAktuell empfohlene Plattform

Das Muster ist klar: Jede Siemens-SPS-Generation folgt demselben Lebenszyklus — aktive Produktion → Abkündigungsankündigung → 10 Jahre Ersatzteile → End-of-Life. Betriebe mit S7-300 stehen 2033 vor derselben Situation wie S5-Betriebe 2020.

Zur detaillierten Analyse der S7-300/400-Situation siehe unseren S7-300 End-of-Life Planungsleitfaden.

Ihre Optionen heute (2026)

Option 1: Migration auf S7-1500 (Empfohlen)

Die einzige langfristige Lösung. Das S5-Programm auf S7-1500 migrieren, im TIA Portal. Das ist die Siemens-Empfehlung — der S7-1500 wird aktiv weiterentwickelt, hat 20+ Jahre Lebenszyklus vor sich und unterstützt moderne Features (OPC UA, Webserver, integrierte Sicherheit).

Kosten: 5.000–100.000 €+ pro Maschine je nach Komplexität (siehe Migrationskostenrechnung)

Wann: So bald wie möglich. Jeder Monat Verzögerung bedeutet höheres Risiko und höhere Kosten.

Option 2: Weiterlaufen bis zum Ausfall

Die S5 weiterlaufen lassen und hoffen, dass nichts kaputtgeht. Das ist keine Strategie — das ist ein Glücksspiel. Wenn die CPU um 2 Uhr nachts am Freitag ausfällt und der Drittanbieter 3 Wochen für eine Ersatz-CPU braucht, verdampft die "Ersparnis" der vermiedenen Migration in einem einzigen Wochenende Produktionsausfall.

Wann (vorübergehend) akzeptabel: Für Maschinen, die innerhalb von 1–2 Jahren stillgelegt werden. Nur in kritische Ersatzteile investieren, nicht in Migration.

Option 3: S5-auf-S7-Emulator/Adapter

Produkte die den S5-CPU physisch ersetzen und das S5-Programm in Emulation ausführen. Das vermeidet Programmkonvertierung, löst aber die grundlegenden Probleme nicht:

Wann sinnvoll: Als Brückenlösung, um Zeit für eine ordentliche Migration zu gewinnen. Nicht als Dauerstrategie.

Was PLCcheck Pro für Sie tun kann

PLCcheck Pro ist genau für diese Situation gebaut — S5-Code der verstanden, dokumentiert und migriert werden muss:

Jetzt S5-Code hochladen →

Häufig gestellte Fragen

Kann ich noch S5-Ersatzteile kaufen?

Nicht von Siemens. Drittanbieter bieten aufbereitete und aus Altanlagen ausgebaute Teile an, aber die Verfügbarkeit sinkt und die Preise steigen. Für kritische CPUs und Kommunikationsbaugruppen können Lieferzeiten Wochen betragen.

Darf ich meine STEP-5-Software weiter nutzen?

Ja. Ihre bestehende STEP-5-Lizenz bleibt gültig. Die Software funktioniert wie bisher. Aber sie erhält keine Updates mehr, und Siemens hilft nicht bei Installation oder Kompatibilitätsproblemen auf modernen Betriebssystemen.

Wie viele S5-Systeme laufen weltweit noch?

Es gibt keine offizielle Zahl. Branchenschätzungen sprechen von Zehntausenden aktiver S5-Installationen, hauptsächlich in etablierten Industrieländern (Deutschland, Italien, Frankreich, Benelux, USA). Viele in Branchen mit langen Maschinenlebenszyklen: Automobil, Chemie, Lebensmittel, Stahl und Wasseraufbereitung.

Was ist das empfohlene Migrationsziel?

Siemens empfiehlt den S7-1500 mit TIA Portal. Migrieren Sie nicht auf S7-300 — der nähert sich selbst dem End-of-Life.


Gepflegt von PLCcheck.ai. Letztes Update: März 2026. Keine Verbindung zu Siemens AG.

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