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Warum die S5-Migration bis 2027 nicht mehr aufschiebbar ist

Der Business Case für die Migration von Siemens S5-Steuerungen — jetzt, nicht später. Ersatzteilkrise, Wissensverlust, Compliance-Risiken und warum jedes Jahr Verzögerung die Migrationskosten exponentiell steigert.

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Warum die S5-Migration bis 2027 nicht mehr aufschiebbar ist

Jede Siemens S5-Steuerung, die heute noch läuft, ist ein ungeplanter Produktionsausfall auf Abruf. Siemens hat den kompletten S5-Support am 30. September 2020 beendet. Keine Ersatzteile vom Hersteller. Keine Reparaturen. Kein technischer Support. Je länger Sie mit der Migration warten, desto teurer und riskanter wird sie. Hier ist der Grund, warum 2026 das Jahr zum Handeln ist.

Die S5-Ersatzteilkrise verschärft sich jeden Monat

Seit dem 1. Oktober 2020 sind die einzige Quelle für S5-Ersatzteile Drittanbieter für aufgearbeitete Module. Firmen wie Foxmere, Northern Industrial, ClassicAutomation und diverse eBay-Händler bieten aufgearbeitete S5-Module mit 12–24 Monaten Garantie an. Aber die Lage wird rapide schlechter:

Schrumpfende Bestände. Jeden Monat wird der weltweite Pool an S5-CPUs, E/A-Baugruppen und Netzteilen kleiner. Wenn ein Modul ausfällt, wird es verschrottet. Wenn eine Anlage von S5 wegmigriert, kommen die Reservemodule auf den Markt — aber irgendwann sind auch die aufgebraucht. Es gibt keine Neuproduktion. Der Vorrat ist endlich und schrumpft.

Steigende Preise. S5-CPU-Module, die in den 1990er Jahren 200–500 € kosteten, werden auf dem Gebrauchtmarkt für 800–3.000 € und mehr gehandelt. Spezialmodule (Kommunikationsprozessoren, Analog-E/A, Positioniermodule) können das 5- bis 10-fache des Originalpreises kosten — falls sie überhaupt zu finden sind.

Unsichere Qualität. Aufgearbeitete Module waren 20–40 Jahre im Einsatz, wurden dann repariert und getestet. Selbst mit Garantie hat ein aufgearbeitetes Modul eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit als ein neues.

Keine Reparatur möglich. Mit dem S5-Supportende hat Siemens auch die Annahme von S5-Modulen zur Reparatur eingestellt. Es gibt einige Drittreparaturdienste, aber diese sind auf bestimmte Modultypen beschränkt.

Der Wissensverlust beschleunigt sich

Die Ingenieure, die S5-Anlagen in den 1980er und 1990er Jahren projektiert, programmiert und in Betrieb genommen haben, gehen in Rente. Das ist kein zukünftiges Risiko — es passiert jetzt:

Programmierwissen: S5-AWL ist grundlegend anders als modernes S7-SCL oder IEC 61131-3. Jüngere Techniker lernen TIA Portal, nicht STEP 5. Jemanden zu finden, der S5-AWL-Code debuggen kann, wird zunehmend schwieriger.

Anlagenwissen: Der Techniker, der wusste, dass "Timer T12 die Abkühlsequenz steuert und genau auf KT 045.2 stehen muss, weil die Pumpe 45 Sekunden bis zum Druckaufbau braucht" — dieses Wissen existiert nur in seinem Kopf. Wenn er geht, geht es mit.

Software-Werkzeuge: STEP 5 läuft unter DOS oder Windows XP. Die Programmierkabel (PG-Kabel mit AS511-Protokoll) benötigen serielle Schnittstellen, die moderne Laptops nicht mehr haben. Selbst wer S5 beherrscht, hat möglicherweise kein Werkzeug zum Anschließen.

Die Risikokalkulation ist eindeutig

Die Kosten des Nichtstuns sind nicht null. Sie steigen jedes Jahr:

Jahr 1 nach S5-EOL (2021): Ersatzteile noch verfügbar, Preise leicht erhöht. Migrationskosten: Basiswert.

Jahr 3 (2023): Einige Module werden knapp. Aufgearbeitete Preise +50–100 %. Wissensträger beginnen wegzugehen. Migrationskosten: +20 %.

Jahr 5 (2025): Kritische Module schwer zu finden. Preise 3–5× Original. Schlüsselpersonal weg. Programmierwerkzeuge auf alternder Hardware. Migrationskosten: +50 %.

Jahr 7+ (2027+): Ersatzteil-Lotterie — Sie finden möglicherweise nicht was Sie brauchen, zu keinem Preis. Niemand versteht den Code mehr. STEP 5 läuft auf keiner verfügbaren Hardware. Migrationskosten: +100 % oder mehr, weil Sie möglicherweise das gesamte System von Grund auf neu analysieren müssen.

Der Worst Case: Eine S5-CPU fällt am Freitagnachmittag aus. Kein Ersatzteil im Schrank. Der Aufarbeitungshändler kann in 5–7 Tagen liefern. Ihre Produktionslinie steht eine Woche. Kosten: 50.000–500.000 € Produktionsausfall — weit mehr als die gesamten Kosten einer geplanten Migration.

Die S7-300 ist als Nächstes dran — keine Kettenmigration erzeugen

Falls Sie erwägen, von S5 auf S7-300 zu migrieren, weil das ein kleinerer Schritt scheint: Lassen Sie es. Die S7-300 wurde am 1. Oktober 2025 abgekündigt (Meilenstein PM410). Reguläre Lieferungen sind beendet. Ersatzteile nur bis Oktober 2033 garantiert.

S5 → S7-300 migrieren bedeutet, in 5–8 Jahren erneut S7-300 → S7-1500 migrieren. Das sind zwei Migrationsprojekte statt einem, mit doppelten Kosten und doppelter Störung. Das einzig zukunftssichere Ziel ist die S7-1500 mit TIA Portal.

Wie eine geplante Migration aussieht

Eine geplante S5→S7-1500-Migration ist ein kontrolliertes, berechenbares Projekt:

  1. Analyse (1–2 Wochen): S5-Programm dokumentieren, E/A-Plan, Timer und Datenbausteine auflisten
  2. Hardwareauswahl (1 Woche): S7-1500-CPU, E/A-Baugruppen, Kommunikationsaufbau
  3. Softwarekonvertierung (2–4 Wochen): AWL nach SCL, Adressen umsetzen, Timer konvertieren
  4. Test (1–2 Wochen): In PLCSIM simulieren, mit realer E/A testen
  5. Umschaltung (1 Wochenende): Von S5 auf S7 während geplantem Stillstand
  6. Stabilisierung (1–2 Wochen): Überwachen, nachjustieren

Gesamtdauer: 6–12 Wochen. Gesamtkosten: planbar, budgetierbar, beherrschbar.

Vergleichen Sie das mit einer Notfallmigration nach katastrophalem S5-Ausfall: keine Dokumentation, keine Zeit zum Testen, keine Möglichkeit zu planen, und eine Produktionslinie die stündlich Geld verliert.

Heute anfangen — auch wenn Sie morgen noch nicht migrieren können

Falls eine vollständige Migration nicht im diesjährigen Budget ist, führen Sie wenigstens diese Vorbereitungsschritte jetzt durch:

  1. Jedes S5-Programm sichern — heute, nicht nächsten Monat
  2. Die E/A-Verdrahtung dokumentieren solange die Anlage läuft und noch jemand sie versteht
  3. Kritische S5-Ersatzteile bevorraten — CPU, Netzteil, meistgenutzte E/A-Baugruppen
  4. Das Migrationsziel identifizieren — S7-1500-CPU-Auswahl und E/A-Konzept
  5. Migrationskosten schätzen lassen — für die Budgetplanung nächstes Jahr

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Häufig gestellte Fragen

Wie lange wird es noch S5-Ersatzteile geben?

Das weiß niemand sicher. Drittanbieter haben aktuell S5-Module auf Lager, aber die Bestände schrumpfen und die Preise steigen jährlich. Standardmodule (digitale E/A, Netzteile) sind noch verfügbar. Spezialmodule können bereits unauffindbar sein.

Ist es sicher, eine S5-Anlage weiterzubetreiben?

Die S5-Hardware hört nicht plötzlich auf zu funktionieren, weil Siemens den Support beendet hat. Solange die Hardware funktioniert und Sie Ersatzteile haben, läuft die Anlage. Das Risiko liegt darin, dass Sie sie nicht reparieren können, wenn etwas ausfällt — und Ausfälle werden mit alternden Bauteilen wahrscheinlicher.

Was sollte ich mindestens sofort tun?

Jedes S5-Programm sichern und die E/A-Verdrahtung dokumentieren. Diese zwei Maßnahmen kosten wenige Stunden und kein Geld. Sie sind der Unterschied zwischen einer beherrschbaren Migration und einem katastrophalen Reverse-Engineering-Projekt.


Gepflegt von PLCcheck.ai. Letztes Update: März 2026. Keine Verbindung zu Siemens AG.

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