5 Zeichen, dass Ihre SPS-Anlage dringend ein Upgrade braucht
Fünf konkrete Warnsignale, dass Ihre SPS-Anlage zur Haftungsfalle geworden ist. Jedes Zeichen mit realen Konsequenzen und Handlungsempfehlung. Für Werksleiter und Betriebsleiter.
5 Zeichen, dass Ihre SPS-Anlage dringend ein Upgrade braucht
Ihre SPS läuft seit 15, 20, sogar 30 Jahren zuverlässig. Sie funktioniert noch. Warum Geld ausgeben für etwas das funktioniert? Weil "funktioniert noch" nicht dasselbe ist wie "sicher, wartbar und zukunftsfähig." Hier sind fünf Zeichen, dass Ihre SPS-Anlage die Grenze von "alt aber zuverlässig" zu "eine tickende Zeitbombe" überschritten hat.
Zeichen 1: Sie kaufen Ersatzteile bei eBay
Wenn der Hersteller keine Ersatzteile mehr produziert, landen Sie auf dem Sekundärmarkt — Aufbereitungshändler, eBay, Surplus-Dealer. Die Preise erzählen die Geschichte:
- Neue S7-300-CPU von Siemens (wenn verfügbar): ~1.000 €
- Dieselbe CPU vom Surplus-Händler heute: 2.000–5.000 €
- S5 CPU 944 (seit 2003–2006 nicht mehr produziert): 3.000–8.000 € — wenn Sie überhaupt eine finden
Die echte Gefahr ist nicht der Preis — sondern die Lieferzeit. Wenn Ihre CPU am Freitagmorgen um 2 Uhr ausfällt und der Händler 2–3 Wochen für eine aufbereitete Einheit braucht, steht Ihre Produktionslinie still. Bei 5.000–50.000 € pro Stunde Stillstand übersteigt ein einziger Ausfall die gesamten Migrationskosten.
Wie das in der Praxis aussieht: Ihr Instandhaltungsteam hat ein Regal mit "Notfall-Ersatzteilen" für die SPS — über Jahre gehortet, gekauft wann immer etwas auf dem Markt auftauchte. Wenn dieses Regal existiert, ist Ihre SPS überfällig für ein Upgrade.
Was tun: Ersatzteilbestand inventarisieren. Kosten eines 48-Stunden-Stillstands berechnen. Mit Migrationskosten vergleichen.
Zeichen 2: Ihre Programmiersoftware läuft auf Windows XP
STEP 5 läuft auf Windows XP. STEP 7 V5.4 auf Windows 7. Beide Betriebssysteme haben ihr End-of-Life erreicht — Windows XP seit April 2014, Windows 7 seit Januar 2020. Diese auf einem netzwerkverbundenen PC zu betreiben ist ein Cybersicherheitsrisiko.
Das praktische Problem geht tiefer. Der Laptop der STEP 5 ausführt, altert selbst. Die Festplatte ist 15 Jahre alt. Der Seriell-Port-Adapter verwendet Treiber die kaum noch funktionieren. Wenn dieser Laptop stirbt, verlieren Sie den Zugang zu Ihrem SPS-Programm.
Wie das in der Praxis aussieht: Es gibt einen bestimmten Laptop im Instandhaltungsbüro der "nicht angefasst werden darf." Er läuft unter Windows XP, hat einen STEP-5-Aufkleber und jemand hat "NICHT AKTUALISIEREN" auf ein Stück Klebeband auf dem Deckel geschrieben. Jeder weiß davon. Niemand spricht über das Risiko.
Was tun: Wenn Ihre Programmierumgebung auf einem nicht mehr unterstützten Betriebssystem basiert, starten Sie jetzt das Migrationsgespräch.
Zeichen 3: Nur eine Person versteht das Programm
Jeder Betrieb hat sie: den Ingenieur der das SPS-Programm vor 20 Jahren geschrieben hat, oder den einen Instandhaltungstechniker der es durch reine Erfahrung am Laufen hält. Wenn diese Person in Rente geht, die Firma wechselt oder einfach während einer Krise im Urlaub ist — ist der Betrieb schutzlos.
Wie das in der Praxis aussieht: Bei jedem SPS-Problem lautet die erste Frage: "Ist [Name] erreichbar?" Wenn nicht, dauert die Fehlersuche 5–10× länger, weil niemand sonst den undokumentierten AWL-Code lesen kann.
Die demografische Realität: Ingenieure die in den 1980ern S5-Programmierung gelernt haben, erreichen jetzt das Rentenalter. Das ist kein Zukunftsproblem — es passiert gerade. Jeden Monat schrumpft der verfügbare Pool an S5-Expertise dauerhaft.
Was tun: Sofort einen Wissenserfassungsprozess starten (siehe Wissensverlust-Leitfaden). PLCcheck Pro nutzen um Dokumentation aus dem bestehenden Code zu generieren — bevor der Experte geht.
Zeichen 4: Wartungskosten steigen, obwohl "nichts kaputt ist"
Die tückische Natur alternder SPS-Systeme: Kosten steigen schleichend. Keine einzelne Rechnung löst Alarm aus. Aber in der Summe:
- Fehlersuche dauert länger: 2–5× länger auf einem 20 Jahre alten System ohne moderne Diagnose. S7-1500 liefert Klartext-Fehlermeldungen, Web-Diagnose, Trace-Aufzeichnung. S5 liefert eine blinkende LED und einen Hex-Code.
- Jede Änderung ist teuer: Rezeptur ändern, Sensor ergänzen, Ablauf anpassen — braucht einen Experten mit STEP-5-Zugang. Stundensätze für S5-Expertise: 120–180 €/h, weil so wenige diese Kompetenz noch haben.
- Workarounds häufen sich: Statt richtiger Programmänderungen erfindet der Betrieb Umgehungen — zusätzliche Relais, Handschalter, Excel-Listen statt SPS-basierter Zählung.
Wie das in der Praxis aussieht: Wartungsausgaben sind in den letzten 5 Jahren um 15–30 % gestiegen, aber niemand kann eine einzelne Ursache benennen. Die Ursache ist das Systemalter — verteilt über dutzende kleine Ineffizienzen.
Was tun: Wartungskosten pro Maschine erfassen. SPS-bezogene Kosten im Jahresvergleich. Den Trend der Geschäftsführung präsentieren — 20 % jährliche Steigerung verdoppelt sich in 4 Jahren.
Zeichen 5: Ihre Maschine kann mit nichts Modernem kommunizieren
Legacy-SPSen wurden für Einzelbetrieb entworfen. Sie steuern eine Maschine — fertig. Aber moderne Fertigung braucht Daten:
- MES-Integration: Fertigungsaufträge, Chargenrückverfolgung, Qualitätsdaten
- Energiemonitoring: Welche Maschine verbraucht wie viel Strom
- Predictive Maintenance: Vibrationsdaten, Temperaturtrends, Zykluszeitanalyse
- Fernzugriff: Probleme diagnostizieren ohne nachts um 3 zur Anlage zu fahren
S5-SPSen haben kein Ethernet, kein OPC UA, keinen Webserver. S7-1500 bietet all das ab Werk.
Wie das in der Praxis aussieht: Sie haben in ein neues MES-System investiert, aber die ältesten Maschinen sind "dunkel" — sie produzieren Teile aber liefern keine Daten. Der Werksleiter bekommt Dashboards für 60 % der Linien und leere Bildschirme für den Rest.
Was tun: Wenn Ihre Industrie-4.0-Initiative durch alte SPSen ausgebremst wird, ist die Migration nicht nur eine Instandhaltungsentscheidung — sondern eine strategische Investition in datengetriebene Fertigung.
Die Frage ist nicht "ob" sondern "wann"
Alle fünf Zeichen zeigen in dieselbe Richtung: Kosten und Risiko des NICHT-Migrierens steigen jedes Jahr, während die Migrationskosten ungefähr konstant bleiben. Der optimale Zeitpunkt war vor 3 Jahren. Der zweitbeste ist jetzt.
Anfangen mit dem Verstehen was Sie haben
Bevor Sie ein Migrationsbudget festlegen: den Umfang verstehen. PLCcheck Pro analysiert Ihre bestehenden SPS-Programme und liefert:
- Komplexitätsbewertung: Wie viel Engineering-Aufwand erfordert die Migration?
- Risikoinventar: Welche Systeme sind am kritischsten?
- Code-Dokumentation: Was macht das Programm — in verständlicher Sprache?
Kostenlose Code-Analyse starten →
Häufig gestellte Fragen
Meine SPS funktioniert noch. Warum upgraden?
"Funktioniert" heute heißt nicht "funktioniert" morgen. Die fünf Zeichen sind Frühindikatoren — sie sagen zukünftige Ausfälle voraus, nicht aktuelle. Das Ziel: proaktiv migrieren (geplant, budgetiert, minimal störend) statt reaktiv (Notfall, teuer, maximal störend).
Welches Zeichen ist am dringendsten?
Zeichen 1 (Ersatzteile) und Zeichen 3 (einzelner Experte) — beide betreffen Ressourcen die unwiderruflich schwinden. Man kann einen Experten nicht ent-pensionieren.
Wie überzeuge ich die Geschäftsführung?
Zeichen 4 (steigende Wartungskosten) nutzen und die ROI-Berechnung aus unserem Business-Case-Leitfaden. Geschäftsführer reagieren auf Zahlen, nicht auf technische Argumente über SPS-Generationen.
Gepflegt von PLCcheck.ai. Letztes Update: März 2026. Keine Verbindung zu Siemens AG.
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